Die Familie von Augustin Schlegel und (Anna) Christiana Schneider

Augustin Schlegel
≈ 19.04.1701 in Johanngeorgenstadt im Kurfürstentum Sachsen
+ 16.07.1765 in Reinerzau im Herzogtum Württemberg
Er war Bergmann, ab etwa 1726 – also fast 40 Jahre – Steiger in den Bergwerken in Reinerzau, bis Mai 1732 im Unverhofften Glück, ab spätestens Juli desselben Jahres im Dreikönigsstern.
oo 1726 Freudenstadt
(Anna) Christiana Schneider
∗ 21.07.1702 in Freudenstadt
+ unbekannt (nach 31.01.1759)
Eltern: Hans Jakob Schneider, 1693 bis 1707 Kronenwirt in Freudenstadt, später Schäufler in Ungarn, und Anna Maria N.N.

Augustin Schlegel hielt sich vermutlich seit 1724 in Alpirsbach auf (s.u.). Am 3. April 1725 wird er in den örtlichen Quellen erstmal erwähnt. Dem Protokollbuch für Polizei- und Gerichtssachen des Bergamts Alpirsbach ist zu entnehmen, dass er wegen seiner Teilnahme an einem verbotenen Tanz in Alpirsbach an Ostern 1725 einen Gulden Strafe zahlen musste. In einem Taufeintrag vom 31. August 1725 wird er als Bergmann in Alpirsbach genannt.
Bereits fünfeinhalb Monate später wird er in dem Protokolleintrag vom 16. Februar 1726 als Steiger bezeichnet, weshalb angenommen werden kann, dass er schon mehr als ein Jahr in den Alpirsbacher Bergwerken tätig war. In besagtem Protokolleintrag wird die Befragung des ebenfalls aus Johanngeorgenstadt stammenden Bergmanns Gottfried Kaufmann festgehalten. Dieser hatte sich mit der Alpirsbacher Bürgerstochter Maria Cleophe Schray verlobt und wurde deshalb vom Bergmeister und dem Alpirsbacher Pfarrer zu seiner Herkunft, Lebensweg und Familienstand befragt. Schlegel und der Steiger Valerius Öeßer, die beide Kaufmann von Jugend an kannten, bezeugten, dass dieser noch ledig war. Dem Protokoll ist außerdem zu entnehmen, dass Kaufmann 1719 zusammen mit andern Burschen nahmens Engelhard und Schlegel heraus ins Reißische gezogen war, vermutlich um dort, im Herrschaftsgebiet des Grafen von Reuß zu Schleiz, zu arbeiten, und sich seit etwa Frühjahr 1724 in Alpirsbach aufhielt. Da Schlegel, Kaufmann und Christoph Heinrich Engelhardt aus Johanngeorgenstadt in den schriftlichen Quellen zu Alpirsbach ungefähr im selben Zeitraum zum ersten Mal auftauchen – Schlegel 1725, Kaufmann ein, Engelhardt zwei Jahre später – kann angenommen werden, dass diese drei gemeinsam zuerst in Reußische und 1724 nach Alpirsbach gezogen sind. Der ebenfalls erwähnte Valerius Öeßer wird in den Alpirsbacher Kirchenbücher bereits 1723, im Eheeintrag einer seiner Töchter, erwähnt. Er war also deutlich älter als die eben genannten drei Bergleute und kam wohl schon früher nach Alpirsbach, wahrscheinlich mit anderen, in den Alpirsbacher und Reinerzauer Kirchenbüchern erwähnten Bergleute aus Johanngeorgenstadt bzw. Sachsen.
In einem Taufeintrag vom 21. März 1728 in Alpirsbach wird Schlegel als Pate zum ersten Mal als Steiger auf dem Un[ver]hofften Glück in Reinerzau genannt.
Am 29. September 1728 wurde Schlegel in eine Schlägerei unter Bergleuten in Alpirsbach hineingezogen. Ausgehend davon, dass der Bergmann Christoph Stock den Bergmann David Baumann mit schimpflichen Reden attaquirt hatte, entwickelte sich eine Schlägerei, in deren Verlauf mehrere Bergleute versucht hatten, den Streit zu schlichten, dabei aber ebenfalls in die Schlägerei hineingerieten. So erging es auch Schlegel, der, als er, wohl auch in seiner Funktion als Steiger, die Streithähne hatte auseinanderbringen wollen, selbst eine Ohrfeigen bekommen [hatte], daß ihme der Huth vom Kopf gefahren, worauf er sich auch nimmer enthalten können, [dem] Stocken in die Haar zu fallen. Ein anderer Zeuge, der Bergmann Gottlieb Mäußel, unterstellte Schlegel wie auch seinen Kameraden Engelhardt und Kaufmann sogar, dass sie am allerärgsten zuschlagen hätten. Schlussendlich mussten Schlegel und Engelhardt, die denen Händeln hetten abhelffen können, unter dem Vorwand des Abwehrens aber selbsten mit zugeschlagen hatten, jeweils zwei Gulden Strafe bezahlen. Kaufmann, der den Streit zwar nicht angefangen, gleichwolen aber auf den Stocken hefftig zugeschlagen hatte, musste genauso wie David Baumann, der an dem ersten Herumschlagen nicht vergnügt gewesen, sondern [Stock] aufs neu wieder angepackt hatte, vier Gulden und 15 Kreuzer Strafe bezahlen. Stock, der alß Ursacher der Händel die gröste Straf verdienet hette, [musste] in Ansehung seiner empfangenen Schläge und daß ihme die Kleider am Leib zerrissen worden, nur drei Gulden und 15 Kreuzer bezahlen.
Anfang Juli 1730 geriet Schlegel mit dem Bergmann Gottlieb Gräfler, nachdem er mit ihm zuerst ein Glaß Wein getrunken und […] mit ihm in einem Discurs geweßen [sei] vom Bergbau und auch von seinen […] in der Gruben ausgestandenen Unglücksfällen, in Händel. Auslöser des Streit war, dass Schlegel dem Gräfler nicht glauben wollte, und wann er auch ein Pfaff wäre, dass dieser, um eine Krankheit auszukurieren, in 7 Stunden vor 5 Gulden Arzney gebraucht hatte, was für die damalige Zeit ein große Summe war. Gräfler warf Schlegel daraufhin vor, er seye nur alß ein Bube in das Land gekommen und sey auch nur aus Gnad und Barmherzigkeit Steiger worden, so stehe auch sein Zimmerholtz in der Grube alß wann es ein Hund […] dahin geschißen hette und dass Schlegel und Engelhardt aller Arthen den Meister spiehlen wollten. Daraufhin attackierten sich beide mit Stock und Glas, anschließend seyen sie dann vest einander in die Haar gefallen. Beide musste daraufhin einen Gulden und 30 Kreuzer Strafe zahlen, die Schmähreden aber [sollten] aufgehoben seyn.
Zwei weitere Taufeinträge in Alpirsbach, in denen Schlegel als Taufpate aufgeführt ist, geben Aufschluss über den Wechsel seines Arbeitsplatzes in Reinerzau. Am 15. Mai 1732 war er noch Steiger auf dem Unverhofften Glück, am 14. Juli desselben Jahres war er Steiger im Dreikönigsstern.
Als Steiger und Bergmann war Schlegel nicht nur mit Streit und Handgreiflichkeiten, sondern auch mit Unglücksfällen und falsche Beschuldigungen konfrontiert. Am Weihnachtsabend 1736 stürzte der 26-jährige Karrenläufer und Haspelknecht Johannes Stählin beym 3 Königstern in seiner nöthigen Arbeith den Pomppen Schacht hinab und brach sich das Genick. Deshalb hatten einige Pursche wieder dem Steiger Schlegel böße und injurieusen Reden sich vernehmen laßen und machten ihn dafür verantwortlich. Eine Untersuchung ergab jedoch, daß die Beschuldigungen fallsch und […] es nur aus einem Haß hergeeusert, weilen der Steiger denen Purschen der Arbeith wegen ein wenig zu scharf zu gesprochen hatte. Die beiden Hauer Simon Schrey und Jacob Maser musste für ihre Äußerungen gegenüber Schlegel zusammen drei Gulden und 15 Kreuzer Strafe bezahlen.

Die nächste Erwähnung Schlegels im Protokollbuch findet man erst 15 Jahre später. Dem Protokoll vom 29. Mai 1751 ist zu entnehmen, dass kurz davor seine Ehefrau und der Bergschmid Hieronymus Hackenjoß bei Zeche Dreikönigsstern in Streit geraten waren Schänd- und Schmähreden gegeneinander ausgestoßen hatte. Schlegels Frau musst hierfür einen Gulden, Hackenjoß drei Gulden und 15 Kreuzer Strafe zahlen.
Am Feiertag der Apostel Peter und Paul 1752 geriet Schlegel einem ihm untergebenen Bergmann namens Johann Peter Jorg aus Jöhstadt in Sachsen bei der Farbmühle in Alpirsbach in Streit. Jorg war seinem vorgesezten Steiger mit schimpflichen Reden um geringer Ursach willen begegnet, der Steiger hingegen [hatte] so gleich mit einer Maulschelle sich selbsten Satisfaction genommen. Schlegel musste deshalb zwei Gulden Strafe bezahlen, Jorg aber wurde, alß ein unruhiger Kopff, der von seinem bißherigen Verdienst nichts erubriget, mit einer 12 stündigen Incarceration und dem Abschied sträfflich angesehen.
Die letzte Erwähnung Augustin Schlegels in anderen Quellen, als den Kirchenbüchern, findet man in den Kirchenkonventsprotokollen von Reinerzau. Am 12. August 1759 wurde er von den Kirchenkonvent zitiert, weil er und ein Joseph Armbruster, während demen daß die Sonntags-Übung in der Kirche gehalten wurde, haußen vor der Kirch laut geschwäzt und gelacht, und dadurch diesem instituto hinderlich gefallen, so wurde ihnen dieser Unfug unter angedroth geschärfter Ahndung in casum relapsus untersagt, dißmal aber, weil es erweißlich noch keine vorsezliche und mutwillige turbatio Sacrorum war, noch mit Strafen inne gehalten.

Auch seinem Todes- und Begräbniseintrag etwa sechs Jahre später sind noch einige weitere, über das übliche hinausreichende Informationen zu entnehmen. Der besagte Eintrag lautet:
Weyland Herr Augustinus Schlegel aus Johann Georgen Stadt in Sachsen gebürtig, gegen 40 Jahre Staiger auf allhiesigen Berg-Werken, vir optimi ingenii et morum, that noch den 5. Julii als frisch und gesund fon hier aus eine Reiße nach Neuenbürg zu seinem Sohn Gottfried Heinrich, Staiger daselbst, kam aber sehr krank zurück den 13. Julii und legte sich gleich nach der Heimkunft an einem sehr heftigem Anfall eines hizigen Fiebers, an welchem er gleich 2 Tage hernach den 16. Julii früh ferstarb, aetatis 64 Jahr 2 Monathe und 26 Tage.
Er wurde schließlich am 18. Juli 1765 in Reinerzau beerdigt.

Anhand der Taufpaten in den Taufregistern von Alpirsbach und Reinerzau kann auf die Beziehungen zwischen Augustin Schlegels Familie und Familien im Alpirsbacher Kirchspiel geschlossen werden.
Zwischen 1725 und 1736 war Schlegel Taufpate bei der Taufe von 13 Kindern aus vier Familien und zwar von den Kindern von Johannes Sigmund Martin, Bergmann in Wittichen, später in Alpirsbach, gebürtig aus Johanngeorgenstadt, und seiner Ehefrau Agnes Heintzler, von Johannes Ecker, Bäcker und Bergmann in Alpirsbach, und seiner Ehefrau Anna Maria Röck, von Christoph Reißig (Reißich), Bergmann in Alpirsbach, gebürtig aus Johanngeorgenstadt, und seiner Ehefrau Anna Elisabeth Töpper sowie von Hanß Jerg Viehweg, Bergmann in Wittichen, gebürtig aus Sachsen, und Maria Catharina N.N., seiner Ehefrau.
Seine Ehefrau Christiana war 1728, 1730 und 1732 Taufpatin der Kinder des bereits erwähnten, ebenfalls aus Johanngeorgenstadt stammenden Bergmanns Gottfried Kaufmann, der zuerst in Alpirsbach, später in Wittichen tätig war, und Maria Cleophe Schray, dessen Ehefrau.
Kaufmann und Schlegel kannten sich, wie bereits oben erwähnt, aus Johanngeorgenstadt. Selbiges dürfte auch hinsichtlich der Beziehung zu Martin bzw. Reißig wahrscheinlich sein. Bezüglich Viehwegs kann zumindest von einer engeren Verbindung aufgrund der sächsischen Landsmannschaft ausgegangen werden, evtl. war auch er aus Johanngeorgenstadt. Alle Familien einte, dass sie Bergmannsfamilien waren.
Von den Taufpaten von Schlegels eigenen Kindern war nur ein Teil im Bergbau beschäftigt. 1728 bis 1734 tritt ein (Johann) Gottfried Leistner, Bergmann, später Pochsteiger in Freudenstadt viermal als Pate auf. Beim ersten und dritten Kind 1728 bzw. 1732 ist der andere Taufpate ein Matthäus Schneider, Schichtmeister in Alpirsbach, der später Bäcker in Ludwigsburg wurde. Dessen Sohn Johann Jakob Schneider, Bäcker und Biersieder in Alpirsbach war wahrscheinlich deshalb Taufpate bei Schlegels Kindern 1729, 1734 und 1735. Nach dessen Tod übernahm zwischen 1737 und 1748 der zweite Ehemann seiner Witwe, Stephan Schlaich, Biersieder in Alpirsbach, die Patenschaft für sechs weitere Kinder Schlegels. Die letzten beiden Paten "erbten" wahrscheinlich das Amt des Taufpaten, was aber auch die Kontinuität der Beziehungen zwischen den Familien Schlegel und Schneider/Schlaich widerspiegelt.
Die Taufpatinen von Schlegels Kindern lassen auf ein gutes Verhältnis zwischen der Familie Schlegel und der Familie des örtlichen Pfarrers Christoph Albrecht Krämer, der von 1700 bis 1737 Pfarrer in Alpirsbach war, schließen. Gleich zwei Pfarrerstöchter, Maria Margaretha und Eva Justina waren 1728 bzw. 1732 bis 1748 die Taufpatinen. Die erste wurde 1728 die Ehefrau von Georg David Antoni Ruff, Bergamts- und Hüttenwerksgegenschreiber in Alpirsbach, die zweite heiratete 1737 Augustin Hafenreffer, Pfarrer in Alpirsbach von 1737 bis 1746.
Die beschriebenen Verhältnisse dürften den Schluss nahelegen, dass Augustin Schlegel und seine Angehörigen eine angesehene Familie war. Dafür spricht auch die Tatsache, dass Augustin Schlegels Sohn Johann Gottfried Heinrich 1752 die Tochter eines herzoglich-württembergischen Kammerdirektors ehelichte. Im Hochzeitseintrag seiner Tochter Sybilla Rosina vom 29. September 1767 in Neuenbürg wird Schlegel außerdem als vieljährige[r] bestverdiente[r] Steiger bezeichnet.
Bekannte Kinder:
1Margaretha Christiana Schlegel
≈ 10.03.1728 in Reinerzau
siehe eigene Seite
2Johann Gottfried Heinrich Schlegel
∗ 09.11.1729 in Alpirsbach
siehe eigene Seite
3Johann Christian Salomon Schlegel
∗ 16.01.1732 in Alpirsbach
siehe eigene Seite
4Georg David Antonius Schlegel
∗ 14.01.1734 in Alpirsbach (Zwilling)
+ unbekannt (vor 1747?)
5Simon Gottfried Schlegel
∗ 14.01.1734 in Alpirsbach (Zwilling)
+ unbekannt (vor 1747?)
6Eva Justina Schlegel
≈ 11.02.1735 in Reinerzau
siehe eigene Seite
7Anna Regina Schlegel
≈ 23.01.1737 in Reinerzau
+ unbekannt
8Johann Augustin Schlegel
≈ 06.02.1738 in Reinerzau
siehe eigene Seite
9Georg Jakob Schlegel
≈ 27.04.1740 in Reinerzau
+ unbekannt
10Johann Gottlieb Schlegel
≈ 05.04.1741 in Reinerzau
+ unbekannt
11Sybilla Rosina Schlegel
≈ 09.01.1744 in Reinerzau
siehe eigene Seite
12Immanuel Schlegel
∗ 20.09.1748 in Reinerzau
+ 08.01.1751 in Reinerzau